Voll unter Druck: Was Bandscheiben und Autoreifen gemeinsam haben …

Zugegeben, auf den ersten Blick nicht wahnsinning viel. Bandscheiben sind die Stoßdämpfer unserer Wirbelsäule. Ganze 23 Stück besitzen wir davon, und übereinandergestapelt würden sie etwa 1/4 der Wirbelsäulenlänge ergeben. In Natura sind sie allerdings zwischen zwei Wirbelkörper gebettet, etwa so wie der Käse im Sandwich.

Außen bestehen unsere Bandscheiben aus einem derben, bindegewebigen Faserring, der einen Kern aus einer gallertartigen Masse umgibt. Der Kern selbst besteht in erster Linie aus Wasser, und aus ein paar molekularen Verbindungen, die dieses Wasser speichern können. Als Puffer federt er die Erschütterungen ab, die durch Bewegung entstehen, und gleicht einseitige Belastungen aus. Beim Bandscheibenvorfall reißt der Faserring ein, sodaß die gallertige Masse des Nucleus austreten kann, und mit der benachbarten Nervenwurzel in Kontakt kommt. Und das tut ganz schön weh!

Discusprolaps
Rückenmark, 2 Dorsalwurzel, 3 Spinalganglion, 4 Ventralwurzel, 5 Spinalnerv, 6 + 7 Bandscheibe: 6 Faserring, 7 Gallertkern, 8 Wirbelkörper. Uwe GilleScuba-limpDiscusprolapsCC BY-SA 3.0

Bis es soweit kommt, müssen die Bandscheiben in der Regel enormen Belastungen standhalten. Wer eine volle Bierkiste aus dem Kreuz heraus, hebt, erzeugt einen Spitzendruck von 23 bar zu. In einem durchschnittlicher Autoreifen hingegen herrschen lediglich 2 bar. Und der wird – im Gegensatz zu unseren Bandscheiben – im Lauf seines Lebens mehrfach gewechselt !

Liegen übt mit 1 bar übrigens den geringsten Druck aus und ist daher jene Position, die Menschen mit Bandscheibenleiden noch am angenehmsten empfinden. Vor allem dann, wenn die Beine zur Stufenlagerung angewinkelt werden.

Im Stehen steigt der Druck auf 5 bar, beim Sitzen immerhin auf 4. Wer sich darauf konzentriert, aufrecht zu sitzen, belastet die Wirbelsäule übrigens stärker als jemand, der entspannt sitzt. So gesehen ist das „sitz gerade“, das Generationen von Kindern in der Schule oder auch beim Eßtisch zu hören bekommen, ergonomisch betrachtet eigentlich Unsinn. Besser ist es, sich immer wieder zu bewegen und die Sitzposition  zu verändern. „Lümmeln“ kann also durchaus mal erlaubt sein …

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