Nabelschnurblut einlagern ?

Als ich schwanger war, bekam ich von meiner Gynäkologin nebst anderem Informationsmaterial auch eine Broschüre zum Einlagern von Nabelschnurblut in die Hand gedrückt, als Krankenversicherung für die Zukunft meines Kindes, quasi. Denn die darin enthaltenen Stammzellen könnten helfen, Krankheiten zu heilen oder Körperteile zu regenerieren. Ganz ohne Abstoßungsrisiko.

Baby_belly.jpg
David Roseborough from Los Angeles, United States, Baby bellyCC BY 2.0

Einem Bericht der Zeit zufolge entschließen sich heute schon 3 von 100 Eltern dazu, das Blut aus der Nabelschnur einfrieren zu lassen. Technisch gesehen ist das nicht sehr aufwändig: Im Kreißsaal wird nach der Geburt das Blut aus der Nabelschnurvene gesammelt und an eine Stammzellbank geschickt. Dort werden die Gewebemerkmale bestimmt, die Stammzellen isoliert und anschließend bei -180° eingelagert. Theoretisch macht das Sinn, weil Nabelschnurstammzellen ein höheres Potenzial haben als jene Zellen, die von Erwachsenen gewonnen werden.

Praktisch gibt es allerdings noch kaum Anwendungen dafür, die den Sprung von der experimentellen Ebene in die klinische Routine geschafft haben. Außerdem weiß niemand so genau, wie lange das Nabelschnublut tiefgekült haltbar ist. Schließlich ist ja auch der Inhalt unseres Tiefkühlers aus gutem Grund mit einem Ablaufdatum versehen …

Wir wollten uns daher die Sache mit der Lagerbarkeit einmal genauer anschauen. Da ich als Orthopädin mit Nabelschnüren relativ wenig (genauer gesagt gar nichts) zu tun habe, haben wir erwachsene Stammzellen als Modell genommen. Wir wissen ja, daß sich unser Lebensstil auf die Gesundheit auswirkt. Insofern erscheint der Gedanke, einen Vorrat an jugendlich-frischen Stammzellen anzulegen, bevor wir unseren Körper mit Nikotin, Alkohol oder ungesunder Ernährung challengen, durchaus attraktiv. Gerade das Rauchen wirkt sich nämlich deutlich nachteilig auf das Wachstumsverhalten der Stammzellen aus.

IMG_4166
brrr … der Stickstofftank ist so kalt, daß die Zuflußregler schneebedeckt sind                         © Claudia Eder

Beim Einfrieren muß man allerdings ein wenig aufpassen: Kühlt man die Zellen zu schnell ab, so bilden sich Eiskristalle, die die Zellwand durchstechen können. Das hält auch die tougheste Zelle nicht aus ! Daher werden die Zellen mit einem Gefrierschutz versehen und mit einem Grad pro Minute langsam abgekühlt. Die Zelle kann man sich dabei wie einen Wassertropfen mit einer dünnen Fetthaut vorstellen: Im Inneren finden die biologischen Prozesse statt, die das Leben ausmachen. Die Fettschicht grenzt die Zelle nach außen von der Nährflüssigkeit ab. Beim langsamen Abkühlen gefriert zunächst das Wasser außerhalb der Zelle. Dann vereist die Flüssigkeit im Inneren, und das Leben steht still. So können die Zellen in flüssigen Stickstoff transferiert und bei bis zu minus 196° aufbewahrt werden.

Unsere Zellen haben wir so 3 Jahre lang gelagert, bevor wir sie aufgetaut und erneut analysiert haben. Und tatsächlich waren die Zellen nach dem Einfrieren genau so gut wie in frischem Zustand in der Lage, Knochen, Fett- und Knorpelgewebe zu bilden. Kein Unterschied ! Allerdings nur, solange das Cryoprotokoll strikt eingehalten wurde. Die Kulturen, die wir beim Zwischenstop auf minus 80° vergessen hatten hatten, waren beim Auftauen nämlich mausetot.

Stammzellnachweis
Nach 3 Jahren Dornröschenschlaf können Stammzellen noch Fettgewebe, Knochen und Knorpel bilden – genau so gut wie in frischem Zustand !                © Claudia Eder

Zum Weiterlesen:

Nabelschnurblut als Lebensversicherung

Auf Eis gelegt

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s