Prothesen für die Bandscheibe ?

Angespornt von den Erfolgen der Knie- und Hüftendoprothetik versucht man auch in der Wirbelsäulenchirurgie, defekte Bandscheiben durch ein Implantat zu ersetzen.

Die Idee einer künstlichen Bandscheibe stammt aus den 50er Jahren: Damals  versuchte ein Herr Nachemson an Wirbelsäulenpräparaten, die Bandscheibe durch eine Paste aus Silikon zu ersetzen. Leider ist das Silikon bei Belastung aus dem Bandscheibenraum wieder rausgeflutscht, sodaß dieser Versuch nie in die Praxis umgesetzt wurde. Die erste funktionierende Bandscheibenprothese gab ab 1958 – als einfache Kugel aus Metall, die zwischen die Wirbelkörper eingesetzt wurde. Die konnte zwar nicht mehr flutschen, dafür brach sie relativ häufig in den weicheren Knochen ein, sodaß auch diese Methode nach ca 200 Operationen wieder aufgegeben wurde.

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Achim HeringCaulkingCC BY 3.0

Das erste Mal wirklich funktioniert hat´s dann ca. 20 Jahre später mit der sogenannten Charité-Prothese, die – wie der Name schon sagt – in Berlin an der Charité entwickelt wurde. Ihre Erfinderin, Karin Büttner-Janz war nicht nur in der Medizin erfolgreich, sondern auch doppelte Olympiasiegerin im Turnen ! Die Charite-Prothese besteht aus zwei Metallplatten (Cobalt-Chrom-Molybdän), die mit Hilfe einer Zahnreihe im Wirbelkörper verankert werden. Dazwischen liegt ein Gleitkern aus Polethylen.

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Charité in Berlin – der Geburtsort der Bandscheibenprothese. A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace), B-Lichterfelde Hindenburgdamm KlinikumCC BY-SA 3.0.

Schließlich wurde in den 90er Jahren die Pro-Disc entwickelt, die in modifizierter Form heute noch verwendet wird. Mittlerweile gibt es über 15.000 Patienten (und -innen), die eine Pro-Disc in ihrem Inneren tragen. Das Implantat besteht aus zwei  Metallplatten, die über einen Kiel im Knochen verankert werden. Der Knochen kann dann in die poröse Beschichtung einwachsen. Dazwischen befindet sich ein Inlay aus Polyethylen, über das die Bewegung stattfindet.

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© Claudia Eder

Aber  auch diese Prothese ist kein Produkt für jedermann! Um als Empfänger in Frage zu kommen, müssen strenge Kriterien erfüllt werden: Die Knochenqualität muß passen (sonst hält´s nicht) und Arthrose darf es in der Wirbelsäule auch keine geben. Dummerweise ist ab einem gewissen Alter die Arthrose der kleinen Wirbelgelenke fast schon  ein Normalbefund. Deshalb sind es eher junge Leute, die für ein solches Implantat in Frage kommen. Ein enger Wirbelkanal oder  ein Gleitwirbel dürfen ebenfalls nicht vorliegen.  Und nicht zuletzt sind Übergewicht und vorangegangene Operationen im Bauchraum (weil die Prothese von vorne eingebracht wird und etwaiges Narbengewebe das Komplikationsrisiko erhöht) häufige Gründe, die gegen die Implantation einer Bandscheibenprothese sprechen.

Hat man es aber geschafft und alle Voraussetzungen erfüllt, ist der eigentliche Eingriff relativ unkompliziert – zumindest von der Patientenseite. Unter Röntgenkontrolle wird das betroffene Bandscheibenfach aufgesucht und die kaputte Bandscheibe entfernt. Mit dem Spreizer wird vorsichtig die Höhe wieder hergestellt und ein Probeimplantat eingebracht. So läßt sich die optimale Grösse der künstlichen Bandscheibe ermitteln. Wenn die Größe bestimmt ist, wird eine kleine Rinne in den Wirbelknochen gemeißelt, um die Prothese zu verankern. Danach können die Implantatplatten eingebracht werden und zuletzt wird das Inlay eingeschoben. Da die Prothese von Anfang an belastungsstabil ist, kann man in der Regel am Tag nach der Operation aufstehen und nach etwa einer Woche das Krankenhaus verlassen. Mit beruflichen und sportlichen Aktivitäten muß man allerdings die nächsten Monate noch vorsichtig sein, bis das Implantat stabil mit dem Knochen verwachsen ist.

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Behdad Esfahbod from Toronto, CanadaSkydiver exiting aircraft with static line still attachedCC BY 2.0

Zum Weiterlesen:

Die Bandscheibenprothese bei schmerzhafter Diskusdegeneration

Patienteninformation zur Pro-Disc L Bandscheibenprothese

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